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Grußwort von Klaus-Peter Böttger
Stadtbücherei Mülheim an der Ruhr
Liebe Frau Professor Dankert, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
an dieser, meiner Stelle war ursprünglich der wohl geschätzte Kollege Gerald Leitner aus Österreich vorgesehen, der leider durch einen familiären Trauerfall verhindert ist - aufrichtige Grüße nach Wien.
Er hätte aus dem Ausland, von außen, den internationalen Aspekt der Würdigung der diesjährigen Preisträgerin der Karl-Preusker-Medaille eindrucksvoller, authentischer wiedergeben können als ich dies vermag. Ich möchte mich in diesen Grußworten, und damit nicht dem Laudator unabgesprochen vorweggreifen, beschränken auf das, wie ich Frau Prof. Dankert verbandspolitisch auf der internationalen Bühne des Bibliothekswesens wahrgenommen habe bzw. immer noch spüre, da sie deutliche Spuren und Zeichen hinterlassen hat.
Drei Ansätze kamen mir hierzu in den Sinn:
1. Aus meiner, im Vergleich zu dem Wirken von Frau Dankert bescheidenen internationalen Arbeit zähle ich jetzt einfach auf, in welchen europäischen Gremien, internationalen Organisationen, auf ausländischen Tagungen mir Folgendes geschah: "Sie sind aus Deutschland? Dann grüßen Sie Frau Dankert!". Es gibt wohl kaum jemanden aus dem deutschen Bibliothekswesen, der auf der internationalen Szene derartig nachhaltige positive Eindrücke für Deutschland hinterlassen hat, ein persönliches internationales Netzwerk, das gleichzeitig Anerkennung der Person und Persönlichkeit war wie auch hohe fachliche Wertschätzung der Professorin, der Vertreterin des deutschen Bibliothekswesens. Diesen Ansatz habe ich verworfen, da mir bei der umfangreichen Liste möglicherweise ein Fehler der Unvollständigkeit unterlaufen wäre.
2. Es könnte dies öffentliche Gelegenheit für mich sein, persönlich meinem Vorbild in verbandspolitischer Hinsicht Dank zu zollen, Dank für Impulse, die Frau Dankert Jahre vorher gesät hatte, von denen ich bei mancher Gelegenheit, neu auf diesem Terrain, dann profitieren durfte. Unmerklich waren Böden und Äcker, mit westfälischem Hintergrund und schleswig-holsteinischer Bodenständigkeit, gründlich bereitet worden. Diesen Ansatz habe ich verworfen, weil dies würde ich lieber ohne die jetzige öffentliche Zuhörerschaft mal wieder bei privater Gelegenheit mit Blick auf die dänische Küste tun.
3. Ich versuche es mit Attributen, die ich mit Ihrer internationalen Verbandsarbeit verbinde, und die Sie, meine sehr geehrten Damen und Herrn, aus Ihrer Erfahrung sicherlich teilen werden.
- Uneigennützig, nur an das Gesamte denkend
Auf meiner ersten IFLA-Konferenz 1997 in Kopenhagen kann ich mich gut an den Moment auf der Abschlussveranstaltung erinnern, als Deutschland für die Ausrichtung der Weltbibliothekskonferenz 2003 Berlin den Zuschlag erhielt und Frau Dankert, als Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände, diese Einladung an die bibliothekarische Welt aussprechen durfte. Sie hatte es nach langer Vorarbeit geschafft, dieses Ereignis nach Deutschland zu holen. Uneigennützig, weil dann Andere 6 Jahre später im Vordergrund stehen durften.
- Den richtigen Moment erkennend
Vor 13 Jahren ist in Den Haag ein Büro gegründet worden, das europäische Büro der Verbände des Bibliotheks-, Informations- und Dokumentationswesens, ein Büro, das seitdem trotz schmaler personeller Besetzung unter immensem Einsatz und höchst effizient sich um die Belange von Bibliotheken im Rahmen der Europäischen Union kümmert. Zu denen, die die Idee dazu hatten und es mitgegründet haben, zählt Frau Prof. Dankert. Ihr war klar, dass mit der Vergrößerung der EU - Sie erinnern sich an die 1992 erfolgte größere Erweiterung - es unabdingbar war, eine europäische Organisation, EBLIDA, zu gründen, die als Lobbyeinrichtung die Frage von Bibliotheken sowohl in juristischer Hinsicht, in Förderprogrammen, in Projekten nicht nur berücksichtigen, sondern aktiv in den Vordergrund stellen sollte. Und wir wissen heute, wie wichtig und unabdingbar dieses Büro geworden ist, sei es aufgrund von Durchsetzungsvermögen bei Fragen des Urheberrechts, sei es durch europäisch koordinierte Stellungnahmen zu Bibliotheksfragen, Konfrontationen wie bei der umstrittenen Dienstleistungsrichtlinie oder durch Projekte wie ECUP, PULMAN oder CALIMERA.
Ein weiteres Beispiel für Frau Dankerts Umsichtigkeit: Als zu Anfang der 90er Jahre die Fragestellung von Bibliotheken und geistiger Freiheit, Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit thematisiert wurde, war sie maßgeblich daran beteiligt, dass in der Weltorganisation IFLA ein Ausschuss eingesetzt und in der Folge ein Büro für FAIFE (Freedom of access to information and freedom of expression) eingerichtet wurde.
- Kämpferisch
Frau Dankert war fast 20 Jahre Mitglied des Beirats "Bibliotheken, Mediotheken" beim Goethe-Institut. Und es gab eine Zeit, da stand es um die Zukunft der Goethe-Institute und derer Bibliotheken perspektivisch nicht zum Besten. Da hieß, es strategischen Einsatz und Kämpferwillen zu zeigen; ebenso wie beim Deutschen Bibliotheks-Institut - dieser Kampf fiel in ihre Amtszeit als Sprecherin der BDB - ein Kampf, der bereits auf politischer Ebene entscheiden, vergebens war. Ich habe Sie selten so unnachgiebig erlebt wie in solchen Situationen, wenn etwas aus Ihrer Sicht Ungerechtfertigtes und das Bibliothekswesen Schädliches drohte.
- Verbindend
Ihnen, liebe Frau Dankert, ist es aus meiner Wahrnehmung auch immer darum gegangen, Menschen, KollegInnen in Verbindung zueinanderzubringen, scheinbare Hindernisse aufzuheben, die die Zusam,menarbeit zwischen Gremien, Verbänden störte, seien es emotionale oder rationale Störungen und Vorurteile. Dies ist Ihnen beim Goethe-Institut und der DGI hervorragend Schritt für Schritt gelungen.
- Großzügig
Ich habe selten jemanden erlebt, der nicht nur großzügig, offen und ehrlich im Teilen mit Erfahrung war, sondern auch, ein Ziel vor Augen, Vieles unterordnete: Geld, Zeit; da wo andere erst einmal die Frage stellten, wer bezahlt dies denn, ergriff sie die Initiative, weil die Sache, der Einsatz, die Lösung eines Problems wichtiger war als eine verwalterische Antwort.
Und ich habe hier nun nicht mehr untergebracht - ungeachtet der nationalen Verbandstätigkeit - die Arbeit in den Ausschüssen der IFLA für Schulbibliotheken und Ausbildungsstätten, die Präsidentschaft der IBBY-Sektion und vieles andere mehr, unter anderem die Frage, wie Sie dies Aölles geschafft haben. Dies ist aller Ehren und Preise wert.
Liebe Frau Professor Dankert, die Verleihung der Karl-Preusker-Medaille bezieht sich vornehmlich auf das deutsche Bibliothekswesen, aber dabei sollte der internationale Aspekt Ihrer Tätigkeit, Ihrer Verdienste nicht unerwähnt bleiben. Auch das internationale Bibliothekswesen mit dem Blick und Bezug auf Deutschland hat Ihnen außerordentlich zu danken. Ich hoffe, das ich Nichts vergessen habe, was Ihnen in der Vielzahl noch der Erwähnung halber wichtig gewesen wäre.
Danke für die Felder und Wege, die Sie uns bereitet haben und wir dankenswerterweise beschreiten dürfen.
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